Folge 013: Deine Ausgangssituation für die Smart Home Planung

Links zu dieser Folge

Hier findest Du den Wikipedia Artikel zu Installationszonen.

Leitungsfinder bei ELV.DE *

Transkript der Folge

Kein Smart Home Projekt gleicht dem Anderen. Wie ist Deine Ausgangssituation?

Bevor wir also an die Umsetzung eines Projektes gehen können und auch die Anforderungen und Ziele für Dein Smart Home festlegen können, musst Du Deine Ausgangssituation kennen.

Nimm Dir also Zeit, sowie mache Dir Notizen und beantworte für Dich die folgenden Fragen dieses Kapitels. Ich gebe Dir zu jeder Frage nachfolgend Erläuterungen und Beispiele, so dass es Dir nicht schwer fallen sollte, die Fragen für Dich umfassend zu beantworten.

Warum ist mir dieses Thema direkt zu Beginn so wichtig?

Nun eigentlich ist es ganz einfache Mathematik…

Angenommen, Du hast 10 Äpfel und willst 30 Äpfel haben, dann benötigst Du noch 20 Äpfel. Ganz simpel, oder?

So kannst Du die Formel

30 Äpfel, die ich haben möchte – 10 Äpfel, die ich habe ergibt 20 Äpfel, die ich noch benötige

ganz einfach auch für Deine Smart Home Planung heranziehen und verfeinern.

Das Smart Home, dass ich haben möchte minus dem, was ich habe ergibt das, was ich noch benötige…

… und das, was Du bereits hast ist Deine Ausgangssituation.

Also betrachten wir nun Deine Ausgangssituation.

Ok, vielleicht willst Du nur ein einfaches Smart Home Projekt umsetzen – bspw. willst  Du die Beleuchtung Deines Wohnzimmers komfortabel über Dein Handy steuern? Oder Du möchtest „nur“ ein paar Heizkörper sich automatisch regulieren lassen um Energiekosten zu sparen. Klar kannst Du diese Themen auch ohne vorherige große Planung umsetzen, aber hier solltest Du Dir gleich am Anfang einmal die Frage stellen, was das Endziel deiner Bemühungen sein soll. Willst Du es bei diesen einzelnen Aufgaben belassen oder möchtest Du – wie ich – den Gedanken eines „Real Smart Home“ gehen. Also soll es weiter gehen? Willst Du nicht auch eine Vision eines komplett vernetzten und automatisierten Zuhause leben, welches Dir automatisiert viele Handgriffe abnimmt oder Energiekosten nicht nur an einer Stelle spart. 

Ich empfehle Dir, auf jeden Fall Dir die Zeit zu nehmen und einmal in die Gesamtbetrachtung einzusteigen – Auch wenn Du jetzt nur eine vielleicht kleine Aufgabe umsetzen möchtest. 

Hierzu ein paar Beispiele:

Nehmen wir einmal an, dass Du wie oben beschrieben, die Beleuchtung Deines Wohnzimmers über das Handy steuern möchtest und ggf. Lichtstimmungen einstellen zu können. Bspw. möchtest Du mit einem Fingertipp, dass die gesamte Beleuchtung gedämmt wird, weil Du jetzt Fernsehen möchtest. OK.

Aber wäre die Vision dann nicht viel besser, wenn Du das Thema weiter denkst? Warum soll Dein Smart Home nicht gleich die Wohnzimmerbeleuchtung anschalten, wenn es merkt, dass Jemand das Zimmer betritt und es draußen dunkel wird? Oder Dein Smart Home bemerkt automatisch, dass keiner mehr im Wohnzimmer ist und schaltet die Beleuchtung aus. Warum willst Du überhaupt selber die Beleuchtung dimmen? Das Smart Home kann das doch selber machen, weil es merkt, wenn Du den Fernseher einschaltest?

Das andere Beispiel:

Du möchtest lediglich ein paar Heizkörper Thermostate tauschen. Diese sollen jetzt die Raumtemperatur automatisch regeln und möglichst Energie  und damit Geld sparen helfen.

Auch hier empfehle ich Dir lieber gleich noch weiter zu denken:

Plane die Thermostate doch gleich so, dass bspw. Die Sonneneinstrahlung direkt berücksichtigt wird. Plane doch so, dass das Smart Home merkt, wenn keiner im Raum ist und dann die Raumtemperatur direkt herunter geregelt wird. Oder wenn ein Fenster zum Durchlüften geöffnet wird, die Thermostate direkt herunterregeln um nicht gegen zu heizen, aber anschließend nach Schließen der Fenster durch gezieltes Öffnen dafür sorgen, dass die Raumtemperatur schnell wieder angenehm ist.

Außerdem sollten diese Thermostate doch auch gleich auch dann herunterregeln wenn sowieso keiner im Hause ist.

Auch wenn Du die genannten Funktionalitäten nicht gleich alle realisieren möchtest, so solltest Du doch aber zumindest Dir die Optionen offen halten, das nachrüsten zu können. 

Deine Wohnsituation

Wie ist Deine Wohnsituation? 

Hast Du vor, Dein Smart Home Projekt in Deiner bestehenden Wohnung oder Haus oder in einer neuen Wohnung oder Haus umzusetzen?

Diese Frage entscheidet später darüber, für welche Arten von Übertragungswegen Du dich entscheidest. Bei einem Neubau oder Ersteinzug, bei dem auch Renovierungsarbeiten anstehen hast Du meistens mehr Möglichkeiten, neue Leitungen zu verlegen als bei bestehenden Immobilien.  

Wenn Du gerade in der Planung eines Neubaus bist, so ist hier am Meisten die Möglichkeit gegeben, die Anforderungen für Deine Smart Home Installation zu berücksichtigen. Nicht nur, dass Du hier noch die Möglichkeiten hast, Leitungen in den Wänden zu verlegen, nein, vielmehr hast Du auch alle Optionen offen, Leitungen oder Rohre auch über die Decken oder Zwischendecken zu ziehen. Du kannst von Vornherein gleich Leitungsschächte und Lehrrohre einplanen um Zukünftig Erweiterungen vorzunehmen, die Du jetzt noch nicht durchführen kannst.

Insofern ist die Planung des Neubaus die Luxus – Ausgangssituation für Deine Smart Home Planung. 

Aber auch die Renovierung oder Sanierung einer bestehenden Immobilie ist ein idealer Ausgangspunkt für Deine Smart Home Planung. Auch wenn man hier im Regelfall nicht die Optionen von zusätzlichen Leerohren in den Zwischendecken oder neuen Versorgungsschächten hat, so kann man aber auch in diesem Szenario eine Menge Dinge direkt mit einplanen und umsetzen. So besteht die Möglichkeit die Standorte von Sensoren und Aktoren gleich mit festzulegen und die dazugehörige Leitungsversorgung zu berücksichtigen. Auch lassen sich Steckdosen und Schalte direkt gleich als Smarte Varianten einbauen. Du hast bei der Planung auch die Möglichkeit, die meisten Systeme und Komponenten zu nutzen und bist wenig eingeschränkt, was die Auswahl angeht.

Schwieriger wird es im dritten Fall, wenn Du planst, deine bestehende Wohnung um Smart – Home zu erweitern. Zum Einen ist es schwieriger (und damit meistens auch teuerer) in bestehenden und genutzten Immobilien bauliche Änderungen vorzunehmen, dann ist hier das Thema Dreck (bspw. Durch das Stemmen von Leitungsschlitzen in Wänden) nicht zu vernachlässigen und außerdem musst Du bei der Planung vielmehr auch den Störfaktor berücksichtigen, den eine Nachrüstung zweifelsohne mit sich bringt. Hier spielen dann auch solche Fragen eine Rolle:

  • Wie lange wird es für die Nachrüstung zu Stromausfall kommen?
  • Wie sorge ich dann ggf. Zum weiteren Betrieb der Wohnung oder des Hauses (bspw. Gefriertruhe oder Kühlschrank, Warmwasser Versorgung und Licht)?
  • Wie kann ich den Dreck minimieren oder gar vermeiden und schnellstens abtransportieren?
  • Gehe ich die einzelnen Räume nacheinander an, oder sind meine Aktivitäten so, dass ich es auch an einem Stück realisieren kann?

Aber zur Feinplanung kommen wir später. 

Die Wohnsituation spielt eine entscheidende Rolle. Sie entscheidet maßgeblich, ob Du Dich eher für ein System mit Funk Übertragung oder eher für die leitungsgebundene Übertragung Deiner Smart Home Komponenten entscheiden kannst. Was die Vor- und Nachteile der einzelnen Übertragungstechniken sind, klären wir noch an späterer Stelle.

Ein wichtiger Punkt für Deine Planung ist auch, ob Du die betreffende Immobilie gemietet hast, oder sie Dir selber gehört. Bei gemieteten Objekten ist es auf jeden Fall ratsam, bei größeren Maßnahmen den Vermieter hinzuzuziehen. Da ihm die Immobilie gehört, hat er natürlich ein gehöriges Wörtchen mitzureden und muss Dir auch sein Einverständnis geben.
Aber: Dies ist nicht unbedingt nur negativ zu sehen. Wie Du mit Deinem Vermieter verhandelst und Du von Ihm sogar unterstützt werden kannst, das erfährst Du ebenfalls im entsprechenden Kapitel später.

Am Ende dieses Abschnittes zu Deiner Wohnsituation der Power Tipp, der für Deine weiteren Planungen essenziell ist:

Besorge Dir – oder fertige Dir – einen Grundriss der Immobilie an.

Wenn Du Hausbesitzer bist, wirst Du auf jeden Fall einen Grundrissplan Deines Architekten besitzen. Der Vorteil ist, dass Du dort einsehen kannst, wo bspw. Versorgungsschächte vorgesehen sind oder markante, die Statik betreffende Stellen vorhanden sind, die es zu meiden gilt.

Solltest Du keinen solchen Plan haben, fertige Dir auf jeden Fall einen an, der einigermaßen maßstabsgetreu ist. Diese Mühe zahlt sich auf jeden Fall aus, da dieser Plan die Basis für Deine weiteren Aktivitäten darstellt. Und je genauer dieser Plan ist umso besser kannst Du auch abschätzen, wieviel Leitungsmaterial Du bspw. Verbauen wirst. 

Du kannst Dir diesen Plan natürlich auf Papier zeichnen oder am Rechner mit einem guten CAD oder Grafikprogramm erstellen. Solltest Du in der Nutzung solcher Software nicht bewandert sein, bleibe lieber bei Papier und Bleistift, und fokussiere Dich lieber auf die Smart Home Planung als erst noch die Bedienung von komplexen Grafik Tools zu erlernen.

Auf jeden Fall sollte Dein Grundriss folgende Dinge enthalten:

  • Fenster und Türen, bei den Türen auch den Anschlag einzeichnen
  • Außenwände und Zwischenwände, Schornstein und Hohlräume für Versorgungsschächte und Abseiten
  • Für das Badezimmer die Sanitärbereiche einzeichnen (Hier gilt es besondere Sicherheitsvorschriften zu beachten)
  • Wenn möglich Verläufe von Leerrohren und Kabelschächten
  • Wenn möglich Verläufe von Wasser- und Heizungsrohren

Fragen zur Wohnsituation:

  1. Plane ich mein Smart Home Projekt in
    – einer bestehenden und genutzten Wohnung?
    – einer Immobilie im Rahmen einer Renovierung oder Sanierung?
    – einem Neubau?

    Antwort: _______________________________________
  2. Wie viele und welche Räume sind von der Maßnahme betroffen?

    Antwort: _______________________________________
  3. Handelt es sich um Eigentum oder ein gemietetes Objekt?

    Antwort: _______________________________________
  4. Hast Du einen Grundriss oder einen Plan der Immobilie? Wenn Nein, fertige Dir einen an.

Die vorhandenen Installationen

Nachdem wir nun abgehandelt haben, wie es um Deine wohnliche Situation steht und aus welcher baulichen Voraussetzung Du startest, gehen wir nun darauf ein, wie es um die technischen Gegebenheiten bestellt ist.

Hierzu erstellen wir nun eine Bestandsaufnahme der vorhandenen technischen Installationen.

Nimm den im vorigen Abschnitt erstellten Grundriss-Plan zur Hand und ergänze ihn um folgende Details:

  • Deckenlampen und Steckdosen
  • Wenn möglich elektrische Verteilerdosen
  • Sonstige Anschlussdosen (Telefon, Antenne, Netzwerk)
  • Wo sind wichtige Geräte, wie Backofen, Herd, Telefon, Türklingel, …
  • Standorte von Stehlampen, Fernseher, Lautsprecher…

Ein besonders wichtiger Punkt, der auf jeden Fall eingezeichnet werden muss ist der Standort von Verteilerkästen. Hierbei werden Haupt- und Unterverteilungen berücksichtigt. Die Hauptverteilung befindet sich im Normalfall im Hauswirtschaftsraum, Keller oder in einer Wohnung ggf. Direkt am Eingang. Sie wird im Regelfall direkt in der Nähe des Hausanschlusses installiert. Bei größeren Immobilien oder mehreren Etagen werden häufig auch Unterverteilungen eingesetzt. Zeichne alles, was Du finden kannst mit in deinen Grundriss ein.

Wie kannst Du herausfinden, wo die Kabel Langlaufen?

Hilfreich für diese Aufgabe sind Kabel- und Leitungsfinder, die es bereits für unter 20 € im Baumarkt zu kaufen gibt. Eine Empfehlung findest Du >hier<.

Nimm Dir dafür jeden Raum einzeln vor. Arbeite dich von den Steckdosen und Lichtschaltern oder von den Deckenleuchten voran. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Leitungen von den Schaltern Senkrecht nach oben verlaufen und dann zur Lampe weiterverlegt sind. Alternativ kann es auch sein, dass die Kabel dann auch unterhalb der Decke Quer zu einer Verteilerdose geführt werden.

Je mehr Details du herausfinden kannst, umso besser und einfacher ist es nachher die Veränderungen zu planen.

Praxis Tipp:

Bei Deiner Suche nach den verlegten Leitungen kannst Du (sofern es sich um eine fachmännische Installation handelt) sicher sein, dass die Kabel und Leitungen innerhalb der sogenannten Installationszonen verlegt sind.

Die Installationszonen befinden sich jeweils Senkrecht neben Türen und Fenstern sowie waagerecht im unteren und oberen Wandbereich. Eine detaillierte Zeichnung findest Du leicht, wenn Du nach „Installationszonen“ googlest. Ein paar Links findest Du auch >hier<.

Wenn Du nun alles gefunden hast, müsstest du einen relativ guten ersten Eindruck bekommen haben, wo sich welche Leitungen befinden und von wo welche Verbraucher mit Strom versorgt werden.

Auch wichtig ist es, die Wasser und Heizungsversorgung mit einzuzeichnen.

Um die Übersicht hier nicht zu verlieren hier drei Vorschläge, wie Du verfahren kannst:

  1. Wenn Du mit Papier und Stift arbeitest, kannst Du den eigentlichen Grundriss auf einem festen Papier erstellen. Die Versorgungszeichnungen kannst Du dann auf Durchschlag Papier damübergelegt aufzeichnen. 
  2. Du kannst verschiedene Farben für verschiedene Arten von Installation verwenden
  3. Bei Software Nutzung kannst du ggf. mit Ebenen (Neudeutsch „Layer“) arbeiten. Damit kannst du am Bildschirm genau die Informationen einblenden, die du benötigst oder die ausblenden, die Du gerade nicht brauchst.

So, wenn Du es bis hier geschafft hast, dann hast Du jetzt schon eine ganze Menge Vorbereitung für Deine Smart Home Planung erledigt. Auch wenn Du später mit einem Elektro Fachbetrieb oder einem Smart Home Berater oder Integrator zusammenarbeitest, wird Dir diese Vorbereitung einige berechnete Stunden einsparen, da die Fachfirmen diese Tätigkeit dann nicht mehr oder nicht mehr in diesem Umfang durchführen müssen.

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